Restaurierung Verlesetisch K720

Alte Technik kann so unentbehrlich sein

Anfang Oktober 2021 wandte sich Andreas Schnell an mich, weil er einen Verlesetisch K720 vom VEB Weimar-Werk reparieren musste. Dazu benötigte er Ersatzteile. Ich konnte ihm nur mitteilen, dass sich meine Webseite mit der Geschichte des Industriegebietes “Weimar-Werk” beschäftigt und kein Ersatzteillager aus den letzten 100 Jahren zur Verfügung steht…
Während es für die Baggersparte eine Zukunft bei HYDREAMA gab und gibt sieht es im Landmaschinenbereich wesentlich schlechter aus. Mehrfache Privatisierungen (Weimar-Werk Maschinenbau GmbH, Fendt, KET) schlugen fehl. Nach dem Ende der KET wurden wohl die Werkhallen und damit auch das Landmaschinen – Ersatzteillager beräumt. Kurz: Es ist nichts mehr da. Da kann man höchstens noch bei einigen ehemaligen landwirtschaftlichen Instandsetzungsbetrieben noch etwas finden – wenn überhaupt nach so langer Zeit…

Herr Schnell schrieb mir daraufhin:
“Sehr geehrter Herr Zöllner,

Vielen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung.

Ich finde das Gerät welches wir gerade im Vorgarten für meinem Bruder (Landwirt aus dem Donaumoos zwischen Neuburg/Schrobenhausen) renovieren, sehr einfach und dennoch eine solide/robuste TECHNIK! EINFACH SCHADE DAS SICH KEINE ZUKUNFT FÜR DIE FIRMA FINDEN LIES.

WENN SIE WOLLEN SCHICKE ICH IHNEN EIN PAAR BILDER VORHER/NACHER VOM VERLESETISCH (ICH UND MEIN SCHWIEGERVATER SIND GERADE MITTENDRIN…)

VIELE GRÜßE
ANDREAS SCHNELL

PS: TOPP AUFBEREITUNG DER HISTORISCHEN HOMEPAGE”

In meiner Antwort habe ich gebeten, gern die angebotenen Bilder und Informationen zur Geschichte des Verlesetischs K720 zu mir zu senden, damit daraus dieser Artikel werden kann.
Und hier kommt seine Antwort:
“Sehr geehrter Herr Zöllner,

Mein Bruder hat eine Nebenerwerbs Landwirtschaft mit ca. 25 Hektar Kartoffel und weiteren 25 Hektar Mais und Getreide gemischt.

Wir sind handwerklich gut aufgestellt und mein Vater kauft bzw. verkauft immer wieder Maschinen. Zu dem Verlesetisch sind wir über private Landwirtschaften gekommen, ich denke ca. 8 – 10 Stück verschwiedener Hersteller in den letzen 30 Jahren. Von den Fortschritt hatten wir 2 oder 3 Einheiten und einen haben wir behalten, dieser hatte heuer mit der etwas nassen Erde mehr zu arbeiten. Trotz regelmäßigen Säuberungen sind heuer 2 Kunstoff Rollen gebrochen und beim zerlegen sind mehr Reparaturen und Teile an der Verschleiß-Grenze aufgetaucht…

Anbei ein erster Vorgeschmack vom zerlegen, der Zusammenbau ist derzeit bei ca. der Hälfte…

Viele Grüße Andreas Schnell”

Meine nächste Mail erläuterte etwas die Hintergründe der Produktion des K720. Der eigentliche Hersteller im Leitbereich des VEB Weimar-Werk war der VEB Landmaschinenbau Halberstadt. Dazu lässt sich im WWW nachfolgendes finden:

“Die Landmaschinenfabrik Friedrich Dehne, Halberstadt, gehörte im Zeitraum von 1860 bis 1940 zu den bedeutenden Landmaschinenherstellern in Deutschland … 1958 wurde das Unternehmen entsprechend den Regelungen in der DDR mit der Aufnahme einer Staatlichen Beteiligung in eine KG umgewandelt. … 1974 erfolgte die Umwandlung in einen Volkseigenen Betrieb mit dem Namen VEB Landmaschinenbau Halberstadt, der sich bis Anfang der 1980er Jahre auf etwa 550 Beschäftigte entwickelte. Nach der Rückübertragung an die Eigentümer im Jahre 1992 wurde noch bis 1999 das Programm Kartoffelaufbereitungstechnik weitergeführt.” (wikipedia, 26.09.2014)

Danach verliert sich die Informationsstrecke im Internet.

Pünklich mit Abschluss der Restaurierungsarbeiten kam die Fertigmeldung:

“Sehr geehrter Herr Zöllner,

So heute haben wir abgeschlossen mit dem Verlesetisch – Projekt.

Anbei noch ein paar Bilder vom fertigen Zustand, das Gerät läuft außerordentlich ruhig und wurde von der Leistung bereits in den letzten Wochen vermisst.

Danke für die Informationen und das Prospekt, ich wünsche eine gute Zeit und es ist schön die Historie zu der Firma und deren Verläufe ein wenig mehr zu kennen!

Viele Grüße
Andreas Schnell”

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Zur Sache

Was erwartet Sie auf diesen Seiten - werden Sie sich fragen. Es ist nun einmal so, dass die Menschen der Region noch immer vom Mähdrescherwerk oder vom Weimar-Werk reden, obwohl beide Namen nur jeweils eine kurze Zeit der korrekte Namen eines Industriegebietes am Rande der von Hochkultur bestimmten Stadt Weimar waren. Bereits 1898 begann man Eisenbahnwaggons an dieser Stelle zu bauen. In wechselvoller Geschichte setzt sich das bis 1952 fort, ehe man den Wechsel in der Produktion hin zu Landmas ... weiterlesen