Die Jahre nach 1989

Die Reprivatisierung nach 1989

Genau so überrascht wie Günter Schabowski über seinen eigenen Vortrag der Grenzöffnung als Beginn des schnellen Endes der DDR war, war die Leitung des Weimar-Werks. Die allgemeine Orientierungslosigkeit ging alsbald in eine Umorganisation des Betriebes über. Niemand konnte sagen, wie der Betrieb konkret weiterleben würde. Eines war aber klar. Mit einer derartigen Betriebsstruktur und mit den bisherigen Erzeugnissen konnte man in der Marktwirtschaft nicht bestehen. Ebenfalls war die Produktivität des Betriebes zu gering. Am Standort Weimar arbeiteten zur Wende ca. 4.800 Mitarbeiter, mit der der Gruppe zugeordneten Betrieben wurden 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. In dieser Zahl waren ca. 700 ausländische Arbeitnehmer, die nach Auslaufen ihrer Delegierungsverträge in die Heimat zurückgeschickt wurden. Durch vorzeitigen Ruhestand endete für eine große Zahl weiterer Mitarbeiter das Arbeitsleben.


19920000-Entwicklung-des-VEB-Weimar-Werk-zur-Weimar-Werk-GmbH

Der Betriebsdirektor war ab 1986 und auch anfangs noch nach der Wende Prof. Dr. Herbert Kroker. Mit Schreiben vom 22. Mai 1990 meldet er die die Weimar-Werk GmbH zur Eintragung beim Handelsregister zum Stichtag 1. Mai 1990 an.
Im Abschnitt 2 der Urkunde heißt es:


“Zur Durchführung der Umwandlung wird mit Stichtag vom 1. 5. 1990
das Vermögen aus der bisherigen Fondsinhaberschaft des Betriebes
auf die Weimar-Werk GmbH
unter Zugrundelegung der Bilanz zum 30. 4.1990 übertragen.
Die Geschäftsanteile der Weimar-Werk GmbH
werden zu 100 % von der Treuhandanstalt gehalten.”


Prof. Dr. Herbert Kroker bildet in der Folge einen Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des Frankfurter Anwalt Dr. Hacker. Der damalige Weimarer Oberbürgermeister Dr. Büttner gehörte dem Aufsichtsrat ebenfalls an.
Prof. Kroker forderte die Mitarbeiter der Leitungsebenen des VEB Weimar – Werk auf, sich für die von ihm definierten neuen Aufgaben neu zu bewerben. Die Bereiche Buchhaltung und Ökonomie wurden recht zügig aufgelöst, was sich später insofern als Fehler erwies, da damit für die Geschäftseinheiten kaum Betriebswirte zur Organisation betrieblicher Abläufe zur Verfügung standen. Das Hauptaugenmerk lag auf der Produktion und deren Organisation. Das Hauptproblem war, neben veralteten oder nicht marktgerechten Erzeugnissen, die Organisation der Produktion nach Arbeitstechniken und nicht nach Erzeugnissen. Die Einzelteilfertigung fand im Wesentlichen in zentralen Bereichen (Dreherei, Bohrerei, Laserschnitt usw.) statt. Ausnahmen waren da z.B. die Siebstabfertigung für die Kartoffelerntetechnik oder die Drehkranzfertigung für Bagger, die den Erzeugnisbereichen direkt zugeordnet waren.


19910321-WW-GmbH-Kroker-Hinweise-Leiter-Geschaefseinheiten-zur-Besprechnungsvorbereitung

In der am 16. Dezember 1991 stattfindenden Aufsichtsratssitzung wird Prof. Kroker abberufen. Die zwischenzeitlich bestellten Geschäftsführer Roland Frank, Dr. Klaus Päßler und Dr. Gerhard Wollenhaupt führten nunmehr die Weimar – Werk GmbH.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr Hacker dankte Prof. Kroker. Im Protokoll der Aufsichtsratssitzung heißt es:


“Dr. Hacker dankt Prof. Kroker in diesem Zusammenhang für die ge-
leistete Arbeit. Er habe die Weimar-Werke auf den Weg in Richtung
Marktwirtschaft gebracht und damit einen wichtigen Beitrag ge-
leistet. Nachdem nunmehr die rechtliche Verselbständigung der
Tochtergesellschaften soweit vorangetrieben sei, daß es nur noch
des Abschlusses eines Einbringungsvertrages bedürfe, um die im
vergangenen Jahr begonnene Ausgliederung zu vollenden, ändere
sich auch die Rolle der Weimar-Werk GmbH: Sie werde sich nach
und nach aus dem operativen ‘Geschäft zurückziehen und mehr die
Funktion einer Management -Hol ding wahrzunehmen haben.”


Es galt unmittelbar nach der Wende für möglichst viele Mitarbeiter die Arbeit und das Einkommen zu sichern.
Neben dem Übergang des VEB Weimar – Werks zu einer Kapitalgesellschaft und der Arbeitsplatzsicherung im eigenen, wie auch in den neu entstandenen Unternehmen galt es als wichtig, die frei werdenden Produktionsflächen zu vermarkten. Eigens zu diesem Zweck wurde die Weimar – Werk Industrie und Gewerbepark GmbH gegründet und ein Bebauungsplan erarbeitet, der noch heute Bestand hat.
Die Gesellschafter diese Firma waren die Weimar – Werk GmbH und die Stadt Weimar. Die Tätigkeit der Gesellschaft war aber nicht von Erfolg gekrönt, da die Kommunalpolitik eine Zeit lang die Notwendigkeit einer verarbeitenden Industrie als zu einer Kulturstadt unpassend in Frage stellte. Erst in den letzten Jahren hat sich die Politik wieder zum Standort bekannt und umfassende Sanierungsmaßnahmen des Geländes begonnen und im wesentlichen auch abgeschlossen. Es sind aber immer noch nicht alle Flächen vermarktet worden.
Aber zurück zu der Bildung von Profitcentern. Von den ursprünglich 13 Geschäftseinheiten (GE) genannten Profitcentern, wurden bis zur Gründung der fünf Tochtergesellschaften, drei privatisiert (Antriebstechnik, Gießerei, Wirtschafts- und Sozialbetrieb)

  • GE Baumaschinen
  • GE Rotationsymetrische Teile Apolda
  • GE Komponentenfertigung
  • GE Antriebstechnik
  • GE Landmaschinen
  • GE Werkzeug- und Sondermaschinenbau
  • GE Baubetrieb und Heizwerk
  • GE Gießerei
  • GE Wirtschafts- und Sozialbetrieb
  • GE Kugeldrehkranzfertigung
  • GE Anlagenbau
  • GE Rechenbetrieb
  • GE Haupttechnologie

Dem ganzen stand die Verwaltung als Holding vor. Die Geschäftseinheiten waren juristisch nicht selbständig.
Im November 1991 wurden in den aussichtsreichsten Geschäftsfeldern fünf juristisch selbständige Tochtergesellschaften gegründet, die zum 1. Januar 1992 den Geschäftsbetrieb aufnahmen. Dies waren die

Der ehemalige Justiziar des VEB Weimar – Werk und spätere Geschäftsführer der Weimar – Werk GmbH Dr. Wollenhaupt beschreibt die Entwicklung im nachfolgenden Artikel:


1994-Dr-Wollenhaupt-zur-Umwandlung-des-VEB-Weimar-Werk-in-eine-GmbH

Die Weimar – Werk Maschinenbau GmbH, Weimar – Werk Stahlbau GmbH und die Weimar – Werk Wesoma GmbH wurden 1993 privatisiert. Die Weimar – Werk Baumaschinen GmbH wurde nach einem Intermezzo bei der EREL Management GmbH und Co KG im Dezember 1996 an den dänischen Hydrema Konzern und die Dienstleistungs-GmbH an die Stadtwerke privatisiert.
Im Mai 1998 sind folgende Firmen auf dem Gelände zu finden:

FirmaGeschäftsfeld
(Hydrema) Weimar - Werk Baumaschinen GmbH (später Hydrema Produktion Weimar GmbH)Entwicklung,Produktion und Vertrieb von Baumaschinen
ASP-Armaturen GmbH Heinrich SchillingLager und Versand von Armaturen
Bagger-Barthel Bautechnik GmbHVermietung Service, Verkauf von Bautechnik
BAMAG GmbHVertrieb von Baumaschinen, Fahrzeugbau
BHS Bückert SondermaschinenbauSondermaschinenbau
Delphin Werbung GbRHerstellung von Schildern und Lichtreklame
Gerd ObstSchrift- und Grafikwerkstatt
Grone BildungszentrumForbildung, Umschulung, Ausbildung
Härterei Reese Weimar GmbHHärterei-Wärmebehandlung nach div. Verfahren
IAW Industrieausrüstungen Weimar GmbHMontageleistungen bundesweit
Ilm-Pack GmbHVerpackungen
IRW Industrieservice GmbHHandwerker und Industrieservice, DL Personalmanagement, Umwelttechnik
KET Kartoffelerntetechnik Weimar GmbHKartoffelerntetechnik
Kirchner + Partner GmbHVerkauf, Vermietung, Service von Gabelstaplern, Lagertechnik Aufzüge u.a.
MAWA Maschinen- und Anlagenwartung GmbHWartung und Instandsetzung von Industrieanlagen, Reinigungsarbeiten
REU GmbHHandwerkerleistungen, Transport, Containerdienste
SL Metalltechnik GmbHBlechbearbeitung, Schaltschränke, Spezialtüren
Speiseversorgung MöhlSpeiseversorgung
Stadtwerke Weimar GmbH, Stadtversorgungs GmbHStrom-Gas-Wärmeversorgung
Trias GmbHIndustrieservice, Maler, Mauerer, Schlosser, Tiefbau
TTFWTransporte, Tiefbau, Freiflächengestaltung
Wagner + Partner GmbHGesellschaft für berufliche Bildung
WEHA Elektro-Technischer Großhandel GmbHElektro-Technik Großhandel
Weimar-Werk Stahlbau GmbHHerstellung von Fördertechnik, Automobilbau, Stahl- und Maschinenbau
WESOMA GmbH, WeimarKonstruktion und Bau von Werkzeugen, Vorrichtungen,Baugruppen

Im Jahr 1991 waren noch ca. 1.800 Mitarbeiter am Standort Weimar – Werk in verschiedensten Unternehmen beschäftigt. Zu den Unternehmen die 1999 am Standort zu finden sind, gehören knapp 1.000 Mitarbeiter.

Zur Sache

Was erwartet Sie auf diesen Seiten - werden Sie sich fragen, wenn eine Seite mit "VEB" beginnt. Es ist aber nun einmal so, dass die Menschen der Region noch immer vom Mähdrescherwerk oder vom Weimar-Werk reden, obwohl beide Namen nur jeweils eine kurze Zeit der korrekte Namen eines Industriegebietes am Rande der von Hochkultur bestimmten Stadt Weimar waren. Bereits 1898 begann man Eisenbahnwaggons an dieser Stelle zu bauen. In wechselvoller Geschichte setzt sich das bis 1952 fort, ehe man den ... weiterlesen