Die Jahre 1953 – 1963

VEB Mähdrescherwerk Weimar

Mähdrescherfertigung
Mähdrescherfertigung

Am 10.Juni des Jahres 1953 erfolgt die feierliche Übergabe des Werkes an das Ministerium für Transportmittel- und Landmaschinenbau – Hauptverwaltung Landmaschinen. Das Werk erhält nunmehr den Namen “VEB Mähdrescherwerk Weimar”. Die Eintragung der Namensänderung erfolgt am 22. Dezember 1953.
Vom 11. März 1953 bis zur Umbenennung am 10. Juni 1953 hieß das Werk “VEB Kranbau Weimar”. Dieser Name wird noch nicht einmal in das Handelsregister eingetragen.
Damit beginnt im „Weimar-Werk“ die Landmaschinenproduktion, die, zwar mit wechselnden Produkten und Entwicklungsrichtungen, bedeutendste und erfolgreichste Phase einer über 35 Jahre währenden Entwicklungsetappe des Werkes.
In der Versuchswerkstatt wird am 24. Dezember 1953 der erste Mähdrescher fertig. Einer von Hand gefertigten Kleinserie von 5 Stück folgt die Großserie vom Typ E 171 mit 400 Stück im Einführungsjahr 1954. Zur Ernte konnten der Landwirtschaft 170 Stück zur Verfügung gestellt werden. Dieser erste Mähdrescher war der Nachbau einer Konstruktion sowjetischer Ingenieure, der mit dem E 173 im Jahre 1955 eine Eigenentwicklung folgte.

Kok2

Die ersten vier Kartoffelerntemaschinen E 671 werden 1954 nach der sowjetischen KOK2 gebaut. Ihnen folgt eine Serie von 50 Stück im gleichen Jahr. In den Folgejahren entwickelt sich die Kartoffel zu einem der für das Weimar-Werk wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte. Über die Grundlagenforschung der Kartoffelernte, Sortierung und Lagerung wurden die Voraussetzungen für die Erzeugnisentwicklungen auf diesem Sektor geschaffen. Neben einfachen Kartoffelrodern der Anfangsjahre liefen bald Kartoffelsammelroder mit mechanischer oder elektronischer Beimengungstrennung vom Band.
Ebenfalls wurden stationäre Anlagen für diesen Zweck und für die Lagerung errichtet.
Ebenfalls im Jahr 1954 läuft die Produktion von Rübenvollerntemaschinen E 765 mit einer Serie von 30 Stück an.

Schienenkran

Die Entwicklung der Produktion von Landmaschinen in der DDR führte zur Spezialisierung innerhalb des Industriezweiges, so daß der Bau von Mähdreschern ab 27. Juli 1962 in das Mähdrescherwerk Singwitz verlagert wurde.
Im Jahr 1957 ist die Entwicklung des Laders T 170 soweit herangereift, daß die Nullserie gefertigt werden kann. Die Serie folgt mit 400 Stück in gleichen Jahr.
Mit Kartoffelerntetechnik, Rübenerntemaschinen und Mobilkranen als Haupterzeugnisse sind die Entwicklungsrichtungen des Werkes auf Jahrzehnte und bis über die Epoche der DDR Volkswirtschaft hinaus festgelegt.
Zum Produktionsortiment gehören aber vorerst auch weiter Großgeräte, wie Seilzugaggregate, Meliorationsmaschinen, Körnertrockner, Annahmeförderer, Omnibushänger, Pferderechen, Gespannschwader und Grasmäher, um die wichtigsten zu erwähnen. Als Erzeugnisse der Kartoffelsortiertechnik wurden Kartoffelsortierer für Handbetrieb, aber auch für den Großeinsatz gefertigt.
Die Gießerei Weimar produzierte jährlich bis zu 3200 t Graugruß.
In der Holzbearbeitung liefen Fernsehgehäuse “Dürer”, “Clivia” und “Carmen” sowie Wohnzimmerschränke, Schülerschränke und Klubtische vom Band.
Als weitere Güter wurden für die Überwindung der Nachkriegsengpässe gefertigt: Briefkästen, Kohlenschütter, Kartoffelpressen, Futtermuser, Kohlenzangen, Heckenscheren, Rübenschneider, Strohschneider und Radiogehäuse.
Ein wichtiger Produktionszweig war die Fertigung von Ersatzteilen für Landmaschinen und Mobilkrane.

Zur Sache

Was erwartet Sie auf diesen Seiten - werden Sie sich fragen, wenn eine Seite mit "VEB" beginnt. Es ist aber nun einmal so, dass die Menschen der Region noch immer vom Mähdrescherwerk oder vom Weimar-Werk reden, obwohl beide Namen nur jeweils eine kurze Zeit der korrekte Namen eines Industriegebietes am Rande der von Hochkultur bestimmten Stadt Weimar waren. Bereits 1898 begann man Eisenbahnwaggons an dieser Stelle zu bauen. In wechselvoller Geschichte setzt sich das bis 1952 fort, ehe man den Wechsel in der Produktion hin zu Landmaschinen und Bautechnik vollzog. Mit der politischen Wende in der DDR endete die Geschichte des Industriestandortes nicht, obwohl sich das einige Kulturbürger der Stadt Weimar so vorgestellt haben. Im Jahr 1998 gab es eine 100 Jahrfeier und im Jahr 2008 eine 110 Jahrfeier des Industriegebietes. Ein Ende ist nicht in Sicht. Es lohnt sich also, sich mit diesem Stück Industriegeschichte zu beschäftigen. Dem soll diese Website dienen.